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Philippinen 2008

Wie lange kann ein Bericht über eine Reise sein, bei der man nur auf einer Insel war, diese einen Kilometer lang ist und 500 Meter breit?

Pandan Island, oder genauer: “North” Pandan Island, liegt vor Mindoro, direkt gegenüber der kleinen Stadt Sablayan. Auf Pandan selbst gibt es genau ein Resort, das Pandan Island Resort, keinen Strom und kein Wasser. Dafür einen herrlichen Sandstrand und die Garantie, absoluter Ruhe.

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Das Aufregendste an Pandan ist das Hinkommen. Da keiner der vielleicht 12 Bungalows frei war, legten wir direkt von Manila kommend einen kurzen Stop am Lake Taal ein. Das Green Hill Resort ist sauteuer und unser Bungalow ein Dreckloch. Ich bin einiges gewohnt, 50 Euro für eine Übernachtung in dieser Bude ist jedoch eine Frechheit. Die anderen Resorts, die fast ausschließlich von Philippinos geführt und besucht werden, sind auch nicht besser. Empfehlung: Bleiben lassen. Gleich am nächsten Tag reisen wir ab, fahren mit einem Jeepney vor zum Highway in Tanauan und nehmen den Bus nach Batangas. Dort geht es auf eine Fähre, bei der jeder Tester vom ADAC seine wahre Freude hätte, hinüber nach Mindoro, genauer, nach Abra de Ilog.

Hier am Pier beginnt die übliche Abzocke. Mindestens zehn Mal hat man uns versichert, dass der Minibus direkt bis Sablayan, gegenüber Pandan, fährt und trotzdem werden wir zusammen mit den 12 anderen Fahrgästen nach einer halben Stunde an einer Bushaltestelle in Mamburao rausgeschmissen.

Da sitzen wir jetzt und gucken dumm. Offensichtlich, wenn auch nicht wirklich tröstend, sind alle auf den Schwindel reingefallen.

Der nächste öffentliche Bus fährt erst in ein paar Stunden und kommt dann erst spät abends in Sablayan an. Zum einen haben wir keine Lust, so lange zu warten, zum anderen werden wir ein Problem bekommen, wenn wir so spät dort eintreffen. Spätestens um neun gehen in den weniger Touristischen Gebieten die Rollläden runter. Einmal mehr beißen wir also in den sauren Apfel und heuern ein Taxi an, das uns in das 3 Stunden entfernte Sablayan fahren soll.

Dort angekommen steigen wir im Land Manz Hotel ab und mieten für 1000 Piso, etwa 20 Euro ein Zimmer. Nach welchen Kriterien sich die Zimmerpreise in Asien errechnen, ist mir bis heute schleierhaft. Für 5 Dollar kann man in einem Neubau mit frischer, weißer Bettwäsche schlafen und für 50 Euro in einem Dreckloch, in dem man vor dem Eintreten gegen die Tür treten muss, damit die Kakerlaken Reißaus nehmen.

Sei’s drum, am kommenden Tag packen wir unsere paar Sachen zusammen und lassen uns von einem Boot hinüber nach North Pandan Island bringen.

Die Fahrt geht durch den Bagong Sabang River, entlang Paradise Islands hinaus aufs offene Meer. Der Fluss ist braun von den Abwässern der Stadt. Paradise Island ist die schmeichelhafte Bezeichnung für die Slums von Sablayan.

Direkt gegenüber der Flussmündung befindet sich South Pandan Island. Auch dort hatten einige Philippinos versucht ein Resort zu betreiben, nachdem es da sogar Süßwasser gibt. Die Abwässer und der Gestank aus dem Fluss sind jedoch teilweise noch bis dorthin zu spüren, so dass das Projekt eingestellt wurde.

Aufgrund der Strömung bekommt North Pandan Island davon nichts mit und eine knappe halbe Stunde später sitzen Nela, Corinna und ich dort in der Beachbar.

Als ich von dem kleinen Boot sprang, habe ich meine Flip Flops ausgezogen und - mal abgesehen von einem kleinen Dschungelspaziergang - tatsächlich erst zehn Tage später bei unserer Abreise wieder angezogen.

Das fehlende Süßwasser stellt, zumindest für die paar Touristen hier, nur ein geringes Problem dar. Die Duschen werden mit Salzwasser betrieben. Täglich fährt ein Versorgungsboot hinüber zum Festland, füllt eine riesen Tonne mit Süßwasser und verteilt dieses auf kleinere Behälter in den Bungalows. Die letzte Kelle nach dem Duschen kommt dann aus diesem Trog, um sich das Salzwasser abzuspülen.

Strom wird mittels Solarzellen, gepuffert über Autobatterien, erzeugt. Nur für die Kühlschränke des Restaurants läuft im hinteren Teil des Resorts ein Generator.

Es ist fast nicht vorstellbar, dass man Tage damit verbringen kann, einfach Nichts zu tun, doch es geht.

Der Strand ist genial, im vorderen Bereich weichsandig, nach etwa 20 Metern beginnt ein Riff. Das ist jedoch schon so tief, dass man sich an den scharfen Korallen nicht mehr verletzen kann und so fischreich, dass jeder Schnorchler hier voll auf seine Kosten kommt.

Am Ostende, quasi ums Eck ist ein weiterer, fast noch schöner aber etwas kleinerer Strand. Wenn man dort ins Wasser geht, hat man gute Chancen neben Wasserschildkröten schwimmen zu können.

Gäbe es nicht so viel mehr zu entdecken, nach Pandan würde ich so oft zurückkehren, wie möglich.

Einzig die Hin- und Rückreise stellt einen enormen Aufwand dar. Nela hatte es zu Hause schon angesprochen, dann sah ich es aber auch eines Tages – das Wasserflugzeug. Diesen Seaplane kann man buchen und das taten wir für den Rückflug nach Manila. 700 Dollar, nicht ganz billig, doch wann sollte ich jemals wieder die Gelegenheit bekommen, mit einem Wasserflugzeug zu fliegen.

Wasserflugzeug
15a_Hängematte

Nachmittags, pünktlich um 15:00 Uhr hören wir das Motorengeräusch und eine Viertel Stunde später sitzen wir bereits in der kleinen Maschine. Der Pilot, ein furchtbar grimmiger, dicker Amerikaner, zieht die Drossel zu sich, die Schraube dreht schneller und wir jagen über die Wasserfläche. In einem weiten Bogen drehen wir nördlich in Richtung Manila, steigen auf 1000 Meter Höhe. Entlang der Küste von Mindoro und Luzon geht es zur Hauptstadt. Dicht über der Wasserfläche des Hafenbeckens hupt der Pilot wie wild. Die Boote jagen auseinander und machen den Weg frei. Dann war es das auch schon. Etwas spektakulärer hatte ich mir die Sache schon vorgestellt, mit Luftlöchern und diesen Dingen. Dennoch, ein bleibendes Erlebnis.

Ein Erlebnis, das wir immer wieder Verdrängen ist das ewige Warten auf den Nachtflug in Manila und die 14 Stunden reine Flugzeit zurück nach München. Aber das ist es Wert!

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