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Philippinen 2006

Kaum zwei Monate aus Kambodscha zurück, sitzen wir - diesmal mit den beiden Mädels - wieder im Flieger nach SO-Asien. Kein Abenteuerurlaub, schlicht relaxen am Beach soll es sein.

Es geht nach Negros in einen Naturpark, an den Sugar Beach bei Sipalay und in den Süden der Insel, an die Mündung der Tambobo Bay.

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Am Samstag Abend, eine Woche vor Ostern kommen wir in Manila an, um früh am kommenden Morgen weiter zu fliegen nach Bacolod auf Negros. Genauer gesagt, Negros Occidental. Negros selbst teilt sich in den Provinz Negros Occidental, deren Hauptstadt Bacolod, ist und in Negros Oriental, den Ostteil der Insel mit Dumaguete als Hauptstadt.
Die Umgangssprache im Bereich Negros Occidental ist Illongo und in Negros Oriental wird Cebuano gesprochen. In den Schulen wird neben Englisch die Landessprache Tagalog (Filipino) unterrichtet.

Auf etwa 450.000 Hektar, das ist mehr als die Hälfte der Landfläche von Negros, wird Zuckerrohr angebaut. Etwa 60% der philippinischen Zuckerproduktion kommt von hier.

Die Kluft zwischen arm und reich, in Entwicklungsländern meist von Haus aus sehr groß, ist auf Negros extrem. Regelrecht ausgebeutet werden die Sacadas, die Arbeiter, welche das Zuckerrohr mit dem Bolo ernten, von den reichen Zuckerbaronen.

Nachdem der Weltmarktpreis für Zucker in den letzten Jahren derart gesunken ist, liegen weite Flächen brach und eine Vielzahl der ehemaligen Saisonarbeiter sind ohne Einkünfte. Dies, fehlende Hilfsprogramme der Regierung und weitere Umstände haben dazu geführt, dass sich viele der Sacadas der im Untergrund kämpfenden, regierungsfeindlichen NPA angeschlossen haben, die ihre Zellen im gebirgigen Landesinneren unterhält.

Unsere ersten beiden Tage verbringen wir jedoch weder auf einem Zuckerrohrfeld noch am Strand, sondern in einem Naturschutzgebiet unterhalb des Mount Kanlaon, dem Mambukal Resort, rd. 30 Kilometer südöstlich von Bacolod. Mambukal ist das bekannteste, jedoch von ausländischen Touristen kaum frequentierte Erholungsgebiet auf Negros. So sind wir auch wirklich die einzigen „Langnasen“, die hier ein Bungalow beziehen und die Angebote des Parks, wie Klettersteige und Kabelrutschen zwischen den tropischen Baumriesen, nutzen.

So ganz wohl ist mir anfangs nicht, erst selbst und dann auch meine Kinder einer philippinischen Konstruktion mein Leben anzuvertrauen, doch sämtliche Ausrüstung macht einen gepflegten und brauchbaren Eindruck.

Beim Spaziergang durch die Anlage komme ich an einem Bungalow vorbei, vor dem eine Horde junger Männer sitzt, die einen Teil der sich vor dem Haus stapelnden Bierkästen offensichtlich bereits geleert hat. Man winkt mich heran, fragt, woher ich komme und drückt auch mir ein kaltes San Miguel in die Hand. Bei den Jungs handelt es sich um Studenten, die ihr Diplom frisch in der Tasche haben und dies ausgiebig feiern.

Tags darauf chartern wir für 20 Dollar einen Wagen nebst Fahrer, der uns nach Sipalay an den Sugar Beach bringen soll.

Jedes Mal wieder ist es zum verzweifeln, neben einem Philippino im Auto zu sitzen. Wegen des Benzinsparwahns wird unmittelbar nach dem Anfahren sofort bis in den höchsten Gang geschaltet, um dann im Schritttempo die Steigungen hinaufzuschleichen. Es fehlte nicht viel und ich hätte den Fahrer gefragt, ob ich vielleicht mal fahren dürfte, aber man ist ja höflich.

Den Sugar Beach kann man nur mit einem Boot erreichen, eine direkte Straße dorthin gibt es nicht. So lassen wir uns für 300 Piso von einem Fischer „ums Eck“ bringen und sind vollkommen baff, als wir das von Deutschland per SMS (Internet gibt es hier nicht) im Bermuda Beach Resort reservierte Cottage sehen. Es ist ein Tropenholz Bungalow vom Feinsten. Eine große Veranda mit lackierten, dunklen Holzbohlen, und ein Bad, das ich weder vorher noch nachher in vergleichbarer Form gesehen habe. Ein großer Raum mit 2 Duschen, Waschbecken und einer Palme in der Mitte, die durch ein Loch in der Decke ihr Wasser bekommt. Der Boden mit schwarzen Steinplatten, die Wände mit schneeweißen Fliesen.
Der Strand ist ein Traum. Feinster Sand, rasch abfallend und daher auch bei Ebbe zum Schwimmen gut geeignet.

Dies ist selten in den Tropen, sind die Strände trotz des tollen Aussehens meist seeeehr flach und Kilometer weit draußen auf dem Mehr, gerade hüfthoch.

Tatsächlich schaffen Corinna und ich es sogar, an einer „Dschungeltour“ teilzunehmen. Eine zugegeben etwas großmundige Beschreibung für einen Spaziergang durch das Landesinnere, aber dennoch eine nette Abwechslung. Wenigstens an einer Stelle fühlen wir uns, wie echte Entdecker, als wir von den Booten aus durch tiefen Schlick zu einer Höhle laufen müssen, deren Eingang tatsächlich von Gestrüpp und Unterholz verborgen am Hang liegt.

Leider ist das Bungalow an Ostern bereits anderweitig vermietet und wir müssen zwei Resorts weiter ziehen, zu Jogi ins Sulu Sunset Resort.

Vier Resorts gibt es direkt am Beach, alle vier werden von Deutschen, bzw. Schweizern betrieben. Ein Umstand, der häufig anzutreffen ist. Irgendwann blieben sie auf einer Insel hängen und investierten ihr Geld in ein Stück Land, etwas Bauholz und heuerten ein paar Hilfskräfte an. Reich wird sicher keiner von ihnen doch das wollen sie auch nicht. Es reicht, um genug Geld zu haben und hier leben zu können.

Jogis Publikum ist anders, zahlreiche Expats, „Gastarbeiter“ aus Deutschland machen bei ihm Urlaub über die Osterfeiertage und so lernen wir viel über Sozialprojekte und Landschaftsschutz auf den Philippinen. Nicht gut für die Leber allerdings. Die Gespräche ziehen sich meist bis spät in die Nacht und nicht immer trinken wir nur Wasser.

Am Vorabend unserer Abreise zu unserm nächsten Ziel, dem Kookoo’s Nest in der Tambobo Bay, muss ich dann sogar noch einen Vertrag unterzeichnen – den „Contract“ – in dem ich mich verpflichte, trotzdem ich um 3 Uhr noch an der Theke sitze, unsere Sachen für die Abreise um 6 Uhr zu packen. Das Thema will ich nicht ausbauen aber soviel sei gesagt – es war die Hölle.

Die Verbindungsstrasse von Bacolod nach Dumaguete, von Negros Occidental nach Negros Oriental besteht zur Hälfte, etwa 100 km, aus einer Schotterstrasse. Obwohl es keine andere Straße zwischen den beiden Inselteilen gibt, bleibt sie wohl auf Dauer in diesem erbärmlichen Zustand. Grund dafür ist – wie meist – der Kommerz. Die Zuckerfabriken im Ostteil wollen vermeiden, dass das Zuckerrohr von dort zu den günstiger arbeitenden Fabriken im Westteil transportiert wird.

Es gibt einen öffentlichen Bus. Überfüllt, unklimatisiert und mit offenen Fenstern. Fahrtzeit: ca. 6 Stunden. Kein normaler Mensch, der 30 Dollar übrig hat, besteigt diesen, sondern nimmt einen Minibus und lässt sich die gut 200 Kilometer bis direkt vor die Haustür fahren. So auch wir.

Die Tambobo Bay liegt am äußersten Südende der Insel und verfügt über einen Naturhafen, der sehr weit in das Landesinnere hineinreicht. Hier liegen daher geschützt vor den Stürmen der Regenzeit viele Jachten und andere Boote. Das Kookook’s Nest befindet sich auf einem kleinen Vorsprung an der Einmündung der Bucht und besteht lediglich aus 5 Häusern. Zwei Family Cottages, zwei kleineren und dem Restaurant. Betrieben wird es von einem englischen Pärchen, das hier auch Tauchkurse gibt sonst aber im wesentlichen auf der Terrasse sitzt und aufs Meer schaut.

Unheimlich wird es dort in der Nacht. Dann kommen hunderte von faustgroßen Einsiedlerkrebsen aus ihren Unterschlüpfen. Überall raschelt es in der Dunkelheit und man tut gut daran, genau hinzusehen, wo man lang laufen möchte. Die Viecher können in dieser Größe verdammt schmerzhaft zuzwicken.

4 Tage verbringen wir hier, bevor wir von Dumaguete unseren Rückflug antreten. Der kleine Flughafen selbst hat nichts zu bieten, beeindruckend ist jedoch, wie nah die Hauptstraße direkt an der Startbahn vorbei läuft. Die Flugzeuge starten zum Meer hin und müssen auf dieser Seite der Bahn wenden. Der Flügel streicht bis über die Fahrbahn, man hat den Eindruck die Düsen blasen die kleinen Tricycles fast von der Straße. Dann gibt der Pilot Gas und in einem weiten Schwenk nach Norden verlassen wir die größte Insel der Visayas.

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