LogoTBklein

www.thomasbecher.de  |  über mich  |  Links & More  |  Kontakt  |  Gästebuch

Philippinen 2001

Noch nie waren wir in den Tropen. Zig Mal hatten wir die Südeuropäischen Länder besucht selbst vor den USA hatten wir nicht halt gemacht.

Ein guter Bekannter, Heli – Helmut Lichtenberg - hat meiner Frau am Ende alles in den schillerndsten Farben gemalt. Er selbst verbrachte die Winter grundsätzlich auf den Philippinen, auf Boracay, seit Jahren. Wenn es bei uns Temperaturen unter dem Gefrierpunkt hat, ist für dort die beste Reisezeit.

Schließlich hatte Nela auch mich so weit, dass ich ja sagte. Unsere große Tochter musste nächstes Jahr in die Schule, dann war es aus mit Urlauben außerhalb der Ferien.

So flogen wir an einem kalten Februarmorgen 2001 von München nach Amsterdam, um dort die KLM-Maschine für den Direktflug nach Manila zu besteigen. 14 Stunden hin, 16 Stunden zurück – „Da verfaulst!“ hatte Heli uns bereits vorgewarnt.

Niemals werde ich den ersten Moment vergessen, als ich den klimatisierten Flughafen in Manila verließ und, wie von einem Hammer von der feuchten Luft der Tropen getroffen wurde.

Zur Fotogalerie Philippinen 2001

Das Philippinen Handbuch von Jens Peters kannten wir fast auswendig, hatten im Holiday Inn ein Zimmer reserviert – man will es ja nicht gleich übertreiben - und warteten auf den Anruf von Heli und Nicole, die schon seit ein paar Tagen auf Boracay waren. Schließlich klingelte das Telefon und Nicole bestätigte uns die Flugdaten für den Weiterflug.

Früh am kommenden Tag standen wir in dem kleinen Büro bei Seair und kauften die vier Tickets. Die Counter am Manila Domestic Airport haben etwas von diesen kleinen Einkaufsläden, mit denen Kinder spielen.

Die Maschine schien nicht groß zu sein, jeder einzelne musste sich auf eine Waage stellen, entsprechend wurden die Sitzplätze verteilt.

18 Personen finden in dem kleinen Flieger, einer LET L-410 Platz und am späten Vormittag erblicken wir das erste Mal den White Beach, den Strand der Boracay bekannt gemacht hatte.

Der Flug geht nach Caticlan auf die Nachbarinsel Panay. Von dort müssen wir nochmals mit einem Auslegerboot übersetzen, dann sind wir – fast – da.

Zu viert nebst Fahrer, mit unserem gesamten Gepäck, quält sich das Trycicle in Schrittgeschwindigkeit die kleine Anhöhe hinauf, dann haben wir unser Ziel erreicht – die Bucht von Diniwid.

Das erste San Miguel in Lucy’s Bar war sicher eines der besten Biere, das ich je getrunken habe. Die Flaschen werden mit einem Papiertaschentuch gebracht, damit man den Rost, den die Kronenkorken hinterlassen, abwischen kann.

Dann zeigen die beiden uns unsere Unterkunft - das Spider House.

Man kann es nicht mit einem Haus vergleichen, nicht mit einem Bungalow oder den Hütten, die man in Asien sonst anmieten kann. Das Spider House ist eine Terrassenanlage, die in den Felsen der Bucht gebaut wurde.

Zahlreiche kleine Podeste, auf denen sich die „Zimmer“ befinden. Es gibt keine Wände. Weiter oben sind sie Schlafzimmer, unten befindet sich eine größere Terrasse, die als „Wohnzimmer“ dient. Dahinter eine große Theke, Kühlschrank und ein paar Regale.

Windorgeln hängen von den Balken, Hängematten sind gespannt. Direkt vom „Wohnzimmer“ kann man auf einen kleinen Steg und von dort direkt ins Südchinesische Meer springen.

Alles strahlt eine unglaubliche Ruhe aus.

Tagelang machen wir nichts anderes, als einfach nur auf der Veranda zu sitzen, den Lichtschutzfaktor der Sonnencreme langsam zu reduzieren und ansonsten nur aufs Meer zu schauen, auf die Auslegerboote, die Material bringen für Häuser, die weiter oben am Hügel gebaut werden, auf die Paraos - die Segelboote, ebenfalls mit Ausleger.

Alle paar Tage raffen wir uns auf, gehen vor zum White Beach, um Geld zu wechseln und in einer etwas anderen Umgebung einen Cocktail zu trinken.

Niemals hätte ich von mir selbst gedacht, dass ich dermaßen entspannen kann und wochenlang einfach nichts tun.

Bernhard ein Freund von Heli besitzt ein Segelboot, die Tenbibdipipe. Das ließ er sich dieses Jahr bauen. Auch er verbringt mindestens ein Viertel Jahr auf der Insel und irgendwann hatte er keine Lust mehr, sich ständig ein Boot zu leihen.
Mit ihm machen wir verschiedene kleinere und größere Touren um die Insel. Nela erwischt es mit den anderen einmal sehr heftig. Bei gutem Wind gestartet kamen sie mit dem Segelboot in eine vollkommene Flaute. Der Seegang in weiterer Entfernung ist jedoch durchaus beachtlich. So trieben sie mehr oder weniger hilflos immer weiter ab von der Insel. Irgendwann hatten sie jedoch Glück und es kam wieder Wind auf, der sie nach Stunden und vollkommen verbrannt zurück nach Diniwid brachte.

Ich selbst schaffte es an diesem Tag endlich kurz vor der Abreise, die lange angekündigte Radtour – ca. 12 Kilometer – um die Insel anzutreten.

Einige Tage vorher waren wir zusammen mit ein paar Einheimischen aus Diniwid hinüber gefahren nach Caticlan auf den Markt. So touristisch Boracay ist, so wenig touristisch ist Caticlan. Die Kinder bekamen ein paar Schuhe, die sich innerhalb kürzester Zeit in ihre Bestandteile auflösten, die Großen einen Beutel Schmalzgebäck und ich kaufte mein Bolo, das ultimative Allzweckgerät der Philippinos.

Eine Mischung zwischen Machete und Beil. Damit wird so ziemlich alles bewerkstelligt. Bäume gefällt und abends der Fisch aufgeschnitten.

Nach drei Wochen heißt es für mich, zurück nach Hause zu fliegen. Nela bleibt mit Nicole noch für zwei weitere Wochen. Selten ist es mir schwerer gefallen, einen Platz zu verlassen.

Nachdem sich die kleine Turboprop Maschine mühsam über die Hügel am Ende der Startbahn gequält hatte, eröffnet sich ein letzter Blick auf die Insel.

Als die KLM-Maschine in München landet, sehe ich Schnee. Der Anblick ist ein Schock für mich, ebenso, wie das perfekt durchorganisierte Treiben am Flughafen – Kulturschock Deutschland. Vollkommen fassungslos stehe ich noch Stunden später im Wohnzimmer und blicke auf den Schnee im Garten, vor meinem geistigen Auge das südchinesische Meer. Tatsächlich habe ich mir einen Virus in den Tropen eingefangen, einen Virus, der mich seither immer wieder zwingt, dorthin zurückzureisen...

TOP


© Thomas Becher | Impressum